Paradigmenwechsel in der Lizenzierung

Von GROW with SAP zur neuen SAP Business Suite

Executive Summary: Die neue Ära der SAP-Cloud-Lizenzierung

Mit der Einführung der neuen SAP Business Suite für die S/4HANA Cloud Public Edition vollzieht SAP einen bedeutenden Wandel in ihrer Lizenzierungsstrategie. Dieser Artikel beleuchtet die Kernänderungen, die insbesondere die bisherige Angebotslinie GROW with SAP betreffen, und stellt das neue Lizenzierungsmodell vor.

Die zentralen Änderungen lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Strategische Neupositionierung: Das Angebot GROW with SAP wird nicht länger als Lizenzierungspaket, sondern als eine komplementäre „Customer Journey“ neu definiert, die den Weg zur geschäftlichen Transformation und Einführung der neuen SAP Business Suite beschreibt.

  • Wechsel des Lizenzierungsmetrikums: Die Abrechnung erfolgt nicht mehr über das früher verwendete Full User Equivalent (FUE), sondern über ein alt bekanntes, rollenbasiertes Benutzermodell.

  • Ausrichtung auf Geschäftsbereiche: Die neuen Pakete sind explizit nach den zentralen Buying Centern eines Unternehmens strukturiert, wie Finanzen (FIN) für den CFO, Supply Chain Management (SCM) für den COO, Human Capital Management (HCM) für den CHRO und Beschaffung (PROC) für den CPO.

  • Erweiterte Funktionspakete: Die neuen Angebote haben einen höheren Einstiegswert, was durch die Bündelung von deutlich mehr Funktionalitäten und Berechtigungen im Vergleich zu den vorherigen GROW-Angeboten gerechtfertigt wird.

Dieser Wandel markiert eine strategische Neuausrichtung von SAP, um die Lizenzierung besser an den organisatorischen Strukturen und den kommerziellen Anforderungen der Kunden auszurichten.

Das neue Paradigma – Von GROW with SAP zur SAP Business Suite

Die Landschaft der Cloud-Lizenzierung von SAP hat sich damit grundlegend verändert. Das vormals bekannte Angebot GROW with SAP war als standardisiertes, vorpaketiertes Lizenzierungsmodell für die S/4HANA Cloud Public Edition konzipiert und richtete sich primär an mittelständische Unternehmen. Die Abrechnung erfolgte über eine Metrik, die als Full User Equivalent (FUE) bezeichnet wurde. Dieser Ansatz wurde nun durch eine neue, kohärentere Strategie ersetzt.

Der bedeutendste Wandel besteht in der konzeptionellen Neuausrichtung der Marke. GROW with SAP ist nicht mehr ein kommerzielles Produkt, sondern wird als eine „Customer Journey“ positioniert. In dieser neuen Definition ist es eine von zwei strategischen Vorgehensweisen, neben RISE with SAP, um die SAP Business Suite zu adoptieren. Anstatt die Bereitstellungsmodelle (Public vs. Private Cloud) in den Vordergrund zu stellen, liegt der Fokus nun auf den Geschäftstransformationszielen und den angestrebten Ergebnissen. Diese strategische Neuausrichtung ermöglicht es SAP, eine einheitliche Go-to-Market-Botschaft zu senden: RISE und GROW sind die Pfade zur Adoption der SAP Business Suite. Dies verlagert das Kundengespräch von einer technischen Diskussion über Lizenzierung zu einer strategischen Diskussion über Geschäftsprozesse.

Das neue Lizenzierungsmodell selbst wird unter dem Namen SAP Business Suite eingeführt. Dieses Framework basiert auf zwei grundlegenden Säulen: einer granularen, benutzerbasierten Lizenzierung und einer Ausrichtung auf spezifische Buying Center. Die Abkehr von FUE hin zu einem rollenbasierten Modell vereinfacht die Lizenzierung erheblich, da sie sich nun direkt auf die Anzahl und Art der Benutzer in einem Unternehmen bezieht. Die neue Struktur, die sich an den Buying Centern von CFOs, COOs, CHROs und CPOs orientiert, spiegelt die reale Organisationsstruktur wider und ermöglicht eine passgenauere Lizenzierung.  

Die folgende Tabelle bietet eine direkte Gegenüberstellung der beiden Modelle, um die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick zu erfassen.

MerkmalAltes Modell (GROW with SAP)Neues Modell (SAP Business Suite)
Primärer ZweckLizenzierungspaketLizenzierungs-Framework
KernmetrikFull User Equivalent (FUE)Benutzerbasiert
PaketstrukturGlobale Basis- und Premium-SKUsPaketierung nach Buying Centern (FIN, SCM, etc.)
MarktstrategieProduktangebotErgänzende Customer Journey (neben RISE)
Mindest-ACVNiedrigerer MindestwertHöherer Mindestwert  
FunktionsumfangWeniger gebündelte FunktionenUmfangreichere, gebündelte Funktionalitäten  

Die neuen Pakete der SAP Business Suite

Das neue Lizenzierungsmodell zeichnet sich durch eine modulare, geschäftszentrierte Architektur aus, die es Unternehmen ermöglicht, mit einem Kernbereich zu starten und bei Bedarf weitere Pakete hinzuzufügen.

SAP Finance Base und Premium

Das Finanzpaket bildet den Einstieg in die S/4HANA-Welt und ist für den CFO-Verantwortungsbereich konzipiert.  

  • SAP Finance Base: Dieses Paket deckt Kernfunktionen ab, die für ein solides Finanzmanagement unerlässlich sind. Es umfasst Funktionen für das Finanzwesen, das Dokumenten- und Berichts-Compliance, um regulatorische Anforderungen zu erfüllen, sowie das Vertrags- und Leasing-Management, um finanzielle Verpflichtungen zu verwalten. Hinzu kommen Module für das Forderungs- und Cash-Management zur Optimierung des Liquiditätsflusses, sowie für das fortgeschrittene Zahlungsmanagement und die Multi-Bank-Konnektivität, um den Zahlungsverkehr zu automatisieren.  

  • SAP Finance Premium: Für komplexere Anforderungen konzipiert, beinhaltet dieses Paket alle Bestandteile des Basis-Pakets und erweitert diese um zusätzliche Funktionalitäten. Dazu gehören Lösungen für das Projekt- und Ressourcenmanagement zur effizienten Steuerung von Projekten und das Subscription Billing für die Verwaltung wiederkehrender Einnahmen. Außerdem sind Produkte wie Concur Expense Professional für die automatisierte Spesenabrechnung und die Ariba Procurement Expansion für die Erweiterung der Beschaffungsfunktionen enthalten. Auch die SAP Sales Cloud ist Teil dieses Pakets, um die Integration von Vertriebsprozessen zu gewährleisten.  

Sowohl das Base- als auch das Premium-Paket erfordern einen Mindesteinstieg von 25 Benutzern. Zusätzlich sind in beiden Paketen Lizenzen für SAP Build Base und SAP Build Developer enthalten.  

SAP Supply Chain Management Base und Premium

Die SCM-Pakete sind für den COO-Verantwortungsbereich zusammengestellt und unterstützen Unternehmen in der Produktion und Logistik.

  • SAP Supply Chain Base: Dieses Paket beinhaltet Kernfunktionen zur Optimierung der Lieferkette. Dazu gehören die erweiterte Variantenkonfiguration, um die Komplexität von Produktvarianten zu steuern, die erweiterte ATP-Prüfung für eine präzise Bestellbestätigung in Echtzeit, und die integrierte Produktentwicklung zur Beschleunigung des Produktentstehungsprozesses.  

  • SAP Supply Chain Premium: Dieses Premium-Paket umfasst alle Bestandteile der Base-Version und ergänzt sie um wesentliche Lösungen für Nachhaltigkeit und EHS (Environmental, Health, and Safety). Dazu gehören SAP S/4HANA Cloud for EHS environment management und SAP S/4HANA Cloud for EHS workplace safety, die Unternehmen bei der Einhaltung von Umwelt- und Arbeitsschutzvorschriften unterstützen. Mit SAP S/4HANA Cloud for product compliance wird die Konformität von Produkten sichergestellt. Die Pakete SAP Sustainability Footprint Management, SAP Sustainability Data Exchange und SAP Responsible Design and Production beziehen sich auf Funktionen für das Management von Nachhaltigkeitsanforderungen.  

Wichtige Voraussetzung: Der Erwerb eines SCM-Pakets setzt voraus, dass der Kunde bereits eine Lizenz für SAP Finance Base oder SAP Finance Premium besitzt. Eine reine SCM-Lizenzierung ist daher nicht möglich

Für Kunden, die sowohl Finanz- als auch Supply-Chain-Funktionen benötigen, gibt es das Paket SAP Finance Base und Supply Chain Base, das die Funktionalitäten beider Basis-Pakete bündelt.  

SAP Core HR

Das SAP Core HR Paket ist ein Einstiegspaket zur Optimierung von HR-, Zeit- und Gehaltsabrechnungsprozessen. Es enthält die Lizenzen für

  • SAP SuccessFactors Employee Central, Employee Central Payroll und Time Tracking. Diese Lösungen helfen Unternehmen, ihre Personalstammdaten, Lohnabrechnungen und Arbeitszeiterfassung zu standardisieren und zu automatisieren.
SAP Strategic Procurement

Das bisherige Paket SAP Ariba Source-to-Contract Suite wurde in SAP Strategic Procurement umbenannt, wobei die bisherigen Bestandteile erhalten bleiben. Es beinhaltet die Lösungen  

  • SAP Ariba Sourcing, SAP Ariba Contracts und SAP Ariba Supplier Lifecycle and Performance. Diese Module unterstützen Unternehmen dabei, den gesamten Beschaffungsprozess von der Lieferantenauswahl über die Vertragsverwaltung bis zur Leistungsbewertung effizient zu gestalten und zu automatisieren.

  • Ergänzende Add-ons, wie zum Beispiel das SAP Ariba direct materials sourcing und das SAP Ariba e-tendering, sind optional verfügbar.
SAP Sales Cloud und SAP Service Cloud

Die Lösungen SAP Sales Cloud und SAP Service Cloud sind im Rahmen des neuen SAP Business Suite Frameworks unter dem Buying Center für den CRO (Customer Experience) aufgeführt. Es wurden jedoch zum aktuellen Zeitpunkt keine neuen, dedizierten Pakete für diesen Bereich eingeführt. Die Lösungen unterstützen Unternehmen in den Bereichen Vertrieb und Kundenservice. Das Paket SAP Finance Premium enthält bereits die SAP Sales Cloud.

Strategische Auswirkungen für Unternehmen

Der Paradigmenwechsel in der Lizenzierung hat unterschiedliche Auswirkungen auf neue und bestehende Kunden.

Auswirkungen auf Neukunden

Für Neukunden ändert sich die Situation fundamental. Die globalen GROW with SAP Lizensierungspakete sind für den Neuerwerb nicht mehr verfügbar. Neue Kunden werden nun ausschließlich mit dem Framework der SAP Business Suite arbeiten.  

Während der Mindestwert eines Jahresvertrags der neuen Pakete höher sein kann, wird dieser Anstieg durch den erweiterten Funktionsumfang ausgeglichen, der nun in den gebündelten Paketen enthalten ist. Zuvor hätten viele dieser zusätzlichen Funktionen separate Lizenzkäufe erfordert. Diese Neuausrichtung legt nahe, dass SAP das Zielsegment für die S/4HANA Cloud Public Edition subtil anpasst. Anstatt sich auf einen kostengünstigen, minimalen Einstieg zu konzentrieren, bietet das neue Modell eine umfassende, vorpaketierte Lösung für mittelständische Unternehmen. Die anfängliche Investition ist zwar höher, verspricht aber eine schnellere Wertschöpfung, da die Notwendigkeit zahlreicher nachfolgender Add-ons reduziert wird.  

Auswirkungen auf bestehende GROW with SAP-Kunden

Für bestehende Kunden ist die Situation weniger disruptiv. Die bisherigen GROW-Lizensierungspakete wurden zwar aus der aktiven Preisliste entfernt, aber sie sind für Bestandskunden weiterhin verfügbar. Nach einer Übergangsfrist können diese auch für Upsells, Verlängerungen und Umstrukturierungen weiter genutzt werden, ohne dass eine spezielle Genehmigung erforderlich ist.  

Obwohl bestehende Kunden ihre alten Verträge weiterhin verlängern können, müssen sie bei einer signifikanten Expansion oder bei der Einführung neuer Geschäftsbereiche wahrscheinlich auf das neue SAP Business Suite Framework umsteigen. Dies könnte vorübergehend einen hybriden Lizenzansatz erforderlich machen.

Fazit und Handlungsempfehlungen

Die Umstellung von GROW with SAP auf die SAP Business Suite stellt eine strategische und notwendige Evolution in der Lizenzierung der S/4HANA Cloud Public Edition dar. Durch die Neupositionierung von GROW als Customer Journey und die Einführung eines benutzerbasierten, geschäftsbereichsorientierten Lizenzierungsmodells bietet SAP eine klarere und wertorientiertere Struktur.

Für Unternehmen ergeben sich daraus folgende Empfehlungen:

  • Für Neukunden: Anstatt sich auf eine generische ERP-Einführung zu konzentrieren, sollten Lizenzierungsgespräche auf den spezifischen Geschäftsanforderungen basieren, die in den neuen Paketen wie FIN und SCM abgebildet sind. Es gilt, den Wert der gebündelten Funktionalitäten sorgfältig gegen die höheren Einstiegskosten abzuwägen. Das neue Modell bietet von Anfang an einen umfassenden Leistungsumfang, der die spätere Komplexität reduziert.

  • Für Bestandskunden: Es ist wichtig zu verstehen, dass die bestehenden Verträge zwar gesichert sind, die Zukunft von Erweiterungen und neuen Projekten jedoch innerhalb des neuen SAP Business Suite-Modells liegt können. Es empfiehlt sich, zukünftige Projekte strategisch zu planen und deren Lizenzauswirkung zu prüfen, um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das neue Modell der SAP Business Suite eine transparentere und besser auf die tatsächlichen Bedürfnisse der Kunden zugeschnittene Lizenzierung bietet. Es vereinfacht nicht nur den Kaufprozess, sondern ermöglicht es Unternehmen auch, ihre Investitionen gezielter auf die Wertschöpfung in ihren jeweiligen Geschäftsbereichen auszurichten.

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